Vorbereitung des Systems

Ich wollte es mir eigentlich verkneifen, aber als altgedienter Technik-Nerd ist das natürlich völlig unmöglich. Der Blick unter die Haube. In die Eingeweide des Molochs. Die grausigen Details.

Für die Audiobearbeitug ist es von Vorteil, wenn man das System besonders für Multimedia-Funktionen optimiert. Das bedeutet Echtzeit-Verarbeitung hat Vorrang vor z.B. Energiesparen. Unter Windows heißt das, dass man eine Menge erst einmal abschalten sollte, Dienste, die im Hintergrund laufen, automatische Prozesse, die sich immer dann in den Vordergrund drängen, wenn es gerade nervt und einem die Aufnahme versaut. „Hallo, hier spricht Cortana. Du musst deine Bestellung für Hunde-Leckerli abschließen.“ Aber gut, ich schweife ab.

Wie man schon an den Links sieht gibt es durchaus Linux-Ausgaben, die schon alles für das Homestudio mitbringen. Ich habe AVLinux aufgeführt, es gibt auch UbuntuStudio und andere. Da sind alle Optimierungen bereits ausgeführt und ihr braucht euch in dieser Richtung um nichts mehr zu kümmern. Allerdings sind diese Versionen für meinen Geschmack oft zu überladen mit Software und Features, so dass einige Vorteil eines schlanken, übersichtlichen Systems wieder verloren gehen. Ich bevorzuge daher, meine bevorzugte Linux-Version (seit einigen Jahren ist das MX Linux) selber anzupassen. Das dauert mit etwas Erfahrung kaum 10 Minuten. Ich werde hier einfach die Terminal-Befehle angeben, also das, was man auf der Kommandozeile eingeben kann. Das ist der schnellste Weg.

Schritt 1 : Jack installieren

Jack ist verkürzt gesagt, was ASIO unter Windows ist.

Außerdem ist es sinnvoll, wenn auch Anwendungen, die nicht auf jack zugreifen parallel Ton wiedergeben können, z.B. um Samples vorzuhören.
Das erledigt man in einem Rutsch mit folgendem Befehl (kann einfach kopiert und im Terminal eingefügt werden):

sudo apt install qjackctl pulseaudio-module-jack

Wenn diese Installation abgeschlossen ist (dauert nur ein paar Sekunden) starten wir Qjackctl, klicken auf den Button ‚Einstellungen‘ dann auf den Reiter ‚Optionen‘ und fügen in der Zeile ‚Skript nach dem Start ausführen‘ folgendes ein:

pactl load-module module-jack-sink channels=2; pactl load-module module-jack-source channels=2; pacmd set-default-sink jack_out

So sieht das aus:


In dem ersten Reiter ‚Einstellungen‘ müssen wir unser Audio-Interface angeben. Als Faustregel kann man sagen, dass alle Geräte, die am Mac oder unter Windows ohne zusätzlichen Treiber laufen auch unter Linux funktionieren. Diese Soundmodule werden auch als ‚class compliant‘ bezeichnet. Auch mein 18 Kanal Digitalmixer von Behringer fällt in diese Kategorie und stellt alle seine 18 Kanäle und seine Midi-Schnittstelle zur freien Verfügung. Anhand der unteren Abbildung kann man auch eine der großartigen Fähigkeiten des jack-Systems erahnen, es ist nämlich möglich Ein-und Ausgänge völlig frei zu ‚verdrahten‘ auch können mehrere Anwendungn auf den gleichen Anschluss zugreifen.

Schritt 2 : Das System für Echtzeit- Verarbeitung optimieren

Mit dem Befehl:

sudo nano /etc/security/limits.conf

editieren wir diese limits.conf – Datei und fügen folgende Zeilen am Ende ein:

@audio – rtprio 99
@audio – memlock unlimited

und speichern das Ganze ab.

Zu guter vorletzt machen wir uns, den aktuellen Benutzer, zum Mitglied der Gruppe ‚audio‘ :

sudo usermod -a -G audio BENUTZERNAME

‚Benutzername‘ ist natürlich nur ein Platzhalter und muss durch deinen Benutzernamen ersetzt werden.

Schritt 3 (optional) : Installation eines angepassten Kernels

Der Kernel ist der Motor des Betriebssystems und enthält zumindest bei Linux auch alle Treiber. Es gibt angepasste Kernel, die besonders gut darin sind, in Echtzeit zu arbeiten. Die Installation ist nicht zwingend notwendig, der Standard-Kernel tut es im Prinzip auch, aber wenn schon, denn schon. In meinem Fall (unter MX Linux) installiere ich den neuesten Liquorix-Kernel. Aber das werde ich hier nicht beschreiben, bei Bedarf schaut in die Dokumentation eurer Distribution und sucht nach ‚real time‘ ‚low latency‘ oder so.

Schritt 4: Die benötigte Software installieren

Ich habe auf der ersten Seite ja schon aufgeführt, was ich im Wesentlichen benutze. Diese Software ist sämtlich in den Paketquellen von MX Linux enthalten, bei anderen großen Distributionen auch. Die Installation ist simpel und erfolgt über die jeweiligen mitgelieferten Routinen.